Das Stressmanagement Coaching ist ein ebenso weites Feld, wie das Stressempfinden von Menschen generell. Was jeder und jede als stressig empfindet, ist sehr unterschiedlich – und auch die Bewältigungsstrategien sind äußerst vielfältig…
Worum es im Selbstmanagement Coaching – und gerade auch in dieser Art von Stressmanagement Coaching, so wie wir es verstehen – unserer Ansicht nach gehen sollte, ist das eigene Selbstbewusstsein, das Reflexionsvermögen über das eigene Stresserleben. Man könnte es also auch als ein „Coaching Selbstbewusstsein“ bezeichnen, wenn man sich mit dem eigenen Stressempfinden auseinandersetzt.
Persönlichkeiten und individuelle Stressverarbeitung im Stressmanagement Coaching
Einige Ansätze im Bereich des Stressmanagements beschäftigen sich mit Themen der Arbeitsorganisation, mit Techniken des Zeitmanagements und der Selbstorganisation. Diese haben ganz sicher alle ihre Berechtigung im Bereich der Methoden. Dennoch sind wir als systemische Coaches davon überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit dem eigenen Stress nicht drumherum kommt, sich primär auch mit der eigenen Persönlichkeit auseinanderzusetzen.
Manche Menschen reagieren „dünnhäutiger“ und „dickhäutiger“ auf positiven und negativen Stress als andere. Zum Beispiel kann es die eine Mitarbeiterin sehr gut aushalten, mit anderen KollegInnen im Konflikt zu stehen. Ein anderer im Team vermeidet es eher, seine durchaus konträre Meinung zu äußern, weil er beispielsweise die Harmonie und Beziehungsebene nicht gefährden will.
Der einen Führungskraft macht es beispielsweise Freude, sich auch mal richtig fachlich „einzugraben“ und in der Sache tief ins Detail zu gehen. Eine andere Führungskraft empfindet dies als sehr herausfordernd, obwohl es wirksam wäre für den Arbeitskontext. Oder natürlich auch umgekehrt, je nachdem, was gerade die Anforderung und das Ziel ist.
Manche KollegInnen blühen regelrecht auf, wenn es „richtig viel Herausforderndes zu tun gibt“ – anderen wird bei dem Gedanken an den großen Berg der anstehenden Aufgaben schon sofort ganz mulmig…
Wie findet jede und jeder Einzelne, das Team und die Führungskraft nun einen wirksamen Umgang damit?
Die Antwort darauf ist sicher nicht einfach, da wir es immer mit komplexen Systemen und Themen zu tun haben. Dennoch sollte man beginnen, sich die Einflüsse auf das eigene Verhalten bewusster zu machen. Und ein großer Einfluss ist eben auch die eigene Persönlichkeitsstruktur. Diese kann man sich z.B. in einem Stressmanagement Coaching einmal genauer miteinander anschauen (u.a. auch mit Unterstützung der PSI Potentialanalyse).
Folgende Fragestellungen könnten hier in der Auseinandersetzung u.a. helfen:
- Was treibt mich an?
– Stichwort intrinsische, unbewusste Motive (Tätigkeitsfreuden)
Wir erleben in der Regel positiven Stress dann, wenn wir im Arbeitskontext öfter mal das tun können, was uns wirklich Freude macht. Diejenigen, die gerne an Problemen knacken, die dürfen im Umkehrschluss nicht zu lange zu in ihren Augen „anspruchslose“ Aufgaben bekommen. Diejenigen im Team, die gern für Zusammenhalt sorgen, die dürfen nicht zu wenig „kontaktlos“ und ohne Kommunikationsmöglichkeiten arbeiten. Sind sie aber dazu gezwungen, wird dies oftmals als Stress empfunden. „Von außen“ wundert man sich ggf., warum diese Person denn überhaupt gestresst ist, weil das Aufgabenpensum im völlig machbaren Rahmen liegt. Nur sind es hier eben andere Motive, die unbefriedigt bleiben und damit Stress verursachen – wenn man anfängt, Stressoren auch „psychologischer“ zu sehen, dann erkennt man auch viel mehr Ursachen und vor allem komplexere, systemische Wirkungsphänomene…
- Was meine ich tun zu müssen (weil es von mir erwartet wird oder ich das auch nur meine, dass das so wäre)?
– Stichwort bewusste Motive, bewusstes Selbstbild
Die Erwartung von anderen Menschen kann mit den oben beschriebenen Tätigkeitsfreuden zusammen passen, beispielsweise wenn von mir erwartet wird, dass ich das Projekt gut voran treibe, es repräsentiere und ich sowieso ein intrinsisch Einfluss motivierter Mensch bin. Wenn ich aber z.B. eher ein „stillerer Umsetzender“ bin, der viel lieber in Ruhe in der zweiten Reihe arbeitet, dann habe ich ggf. mit dem „vor großen Gruppen die Ergebnisse präsentieren zu müssen“ ein größeres Problem. Denn das macht mir sehr viel Stress – aus welchen Gründen auch immer. Diese Gründe können im Stressmanagement Coaching angeschaut werden, und man kann gleichzeitig auch beispielsweise schauen, was es braucht, damit dieser Mensch sich dem nicht mehr (so stark) aussetzen muss.
Oder aber man könnte an individuell als wirksam empfundenen, neuen Haltungs- und Verhaltensstrategien arbeiten, damit der Stress nicht mehr so stark empfunden wird.
Ich erinnere mich z.B. an eine einfache Strategie, die ein Klient im Stressmanagement Coaching für sich fand:
Er bestand nach unserer Arbeit im Coaching darauf, bei seinen Ergebnis Präsentationen im Projekt Team nicht mehr vorne sitzen oder gar stehen zu müssen. Er baute sich stattdessen die Kommunikationssituation so, dass er einfach Teil der Gruppe war – mehr wie eine lockere Gesprächssituation. Dies war in diesem Fall eine recht einfach und schnell gefundene Lösung.
Was für ihn allerdings schwieriger daran war, und das war dann letztlich auch der Kern des Coachings, war folgender Punkt:
Das Selbstbewusstsein dafür aufzubringen, diese Forderung und Entscheidung dem Team und seiner Projektleiterin gegenüber zu vertreten. Die angenommene Scham, die Angst vor vermeintlichem Gesichtsverlust, nicht auch als Präsentator selbstbewusst vorne stehen zu können, musste erst einmal in etwas anderes umgewandelt werden… Denn dieser angenommene Vorwurf („du bist nicht in der Lage, da vorne zu stehen“), hemmte so stark, wurde so stark als Gefahr wahrgenommen, dass der Klient wahnsinnig viel mentale und emotionale Energie darauf verwendete, solche Situationen möglichst zu vermeiden – sowohl die Präsentationssituationen als auch die Gesprächsversuche darüber, warum er immer so nervös werden würde… Dies führte zu immer stärkerer ungünstiger Selbstregulation. Diese nimmt dann sukzessiv immer mehr Energie und führt in den Stressfokus und die Stressspirale, als dass es helfen würde, funktional an der Lösung des Problems mitzuwirken und Ideen für andere Handlungsmöglichkeiten zu finden.
Übrigens:
Einmal durch das Stressmanagement Coaching in die Lage versetzt, die eigenen Empfindungen und Bedürfnisse äußern zu können, war die Umsetzung in diesem Team dann überhaupt kein Problem! Die Angst vor Gesichtsverlust war also in diesem Fall total unbegründet. Ein schönes Ergebnis. 🙂
Der Einfluss der emotionalen Muster und Persönlichkeitsstile im Stressmanagement und Stressmanagement Coaching
Wenn man selbstbewusst erkennt, dass auch ein gutes Bedürfnis eine Gefahr darstellen und damit auch Stress verursachen kann, ist man schon einen entscheidenden Schritt weiter in der eigenen Selbsterkenntnis.
Wenn beispielsweise die ersehnte Ruhe, der Wunsch nach Ruhe, eher innere Unruhe und sogar Angst verursacht, dann gibt es ein ernst zunehmendes Spannungsfeld – die Angst könnte z.B. darin begründet sein, dann im „Nichtstun“ in der Verantwortung, im Verantwortungsgefühl nicht mehr zu genügen. Dies greift möglicherweise den eigenen Selbstwert oder sogar existentielle Sicherheitsbedürfnisse an (Urängste).
Nicht wenige Führungskräfte würden nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen nach gern mehr Pausen und Ruhe in ihren Teams vorleben. Trotz gutem kognitiven Vorsatz und Ziel, gelingt es ihnen aber oftmals nur sehr wenig. Das Problem ist häufig, dass ein gutes und wichtiges Bedürfnis, in diesem Fall „mehr Pausen zu machen“, mit etwas anderem, einem anderen negativen Gefühl gleichzeitig verbunden ist. Dies zu entkoppeln und aufzulösen, ist oftmals der Kern der Begleitung in einem wirksamen systemischen Stressmanagement Coaching.
Zu all unseren Erfahrungen, den damit verbundenen Ängsten und Schutzmechanismen unserer Psyche, gesellen sich damit verbunden einige „Konstante“ in unserer Persönlichkeit: unsere Persönlichkeitsstile. Diese sind recht stabil in uns angelegt. Zum Beispiel hat ein sehr selbstbestimmter Persönlichkeitsstil die Tendenz, auch mal „härtere Töne“ anzuschlagen und die Bedürfnisse anderer KollegInnen eher auszublenden. Das hat beim Durchsetzen der eigenen Bedürfnisse und Ziele Vorteile, kann aber auch rücksichtslos oder empathielos wirken und auch auf Dauer – je nach Ausprägung und Empfindungsgrad – im Team Probleme auslösen. Zumal wenn sich der Stil unter Stress noch signifikanter zeigt und im System als problematisch empfunden und bewertet wird.
Daher schauen wir im Stressmanagement Coaching auch u.a. auf diese Fragen:
- Wozu neige ich in meinen Persönlichkeitsstilen?
Wie reagiere ich als allererstes auf Situationen?
Wie interagieren meine Stile miteinander – zumal unter Stress?
– Stichwort Persönlichkeitsstile
Sehr spannend wird es, wenn wir in den Stilen „unter Stress“ sehen, dass bereits bestimmte weitere Potentiale vorhanden sind. Wenn sich beispielsweise der selbstbestimmte, eher „unsozialere“ Stil unter Stress signifikanter zeigt, die Person unter „Normalbedingungen ohne Stress“ aber eher dazu neigt, es anderen Menschen Recht machen zu wollen (hilfsbereiter Stil), dann wird es spannend – hier sehen wir Potential. Denn was eine Person unter Stress zeigt, das hat sie auch als Kompetenz in stressfreieren Situationen!
Es ist alles eine Frage der Wahrnehmung.
Was wir tun ist, Menschen dabei zu helfen, auch andere Dinge und Möglichkeiten zu sehen, als nur diejenigen, an die sie glauben und ggf. nur eingeschränkt sehen und als Problem beschreiben. Wenn ich mit bestimmten Stressbewältigungsstrategien immer wieder an meine Grenzen stoße und sie nicht (mehr) helfen, dann ist möglicherweise die allererste Aufgabe, tiefer zu graben und sich intensiver mit den eigenen (Un)möglichkeiten auseinanderzusetzen.
Die Frage, die sich also im Stressmanagement Coaching auf Basis der Potentialanalyse u.a. stellen könnte, könnte diese sein:
„Wie machst du diese Kompetenz auch in anderen – nicht so stressigen Situationen – schon präventiv für dich nutzbar?“
Um im Beispiel zu bleiben: Wie setzt du bereits, wenn die KollegInnen noch nicht so einen Druck auf dich ausüben und dir Stress machen, besser Grenzen und lehnst Dinge ab, die nicht in dein Aufgabengebiet gehören? Denn die Kompetenz, auch manchmal selbstbestimmter zu agieren, ist ja da – sie zeigt sich bislang nur eher erst unter Stress.
Hier sind wir dann auch im Bereich der Selbstreflexion angekommen, des Selbstbewusstseins über die eigene Fähigkeit, wie gut ich mein Verhalten selbst steuern und lenken kann.
Die Frage lautet hier:
- Wie kann ich bewusster Einfluss nehmen auf meine Persönlichkeitsstile –
und mein Verhalten anders steuern, wenn es sinnvoll erscheint?
– Stichwort Selbststeuerungskompetenzen
Die eigene Einschätzung ist das eine. Das eigene Verhalten wirklich umzustellen, ist das andere. Hier braucht es eine tiefere Auseinandersetzung mit dem eigenen Erleben und geeigneten Strategien, die die eigene Selbsterkenntnis erst einmal ermöglichen.
Meistens braucht es nicht nur „eisernen Willen“, um Veränderung wirklich nachhaltig in Gang zu bringen. Sondern es braucht Selbstgespür und Selbstzugang, um wirklich herauszubekommen, was einen hemmt und was mit den eigenen Gefühlen los ist… Dann kann man wirksamere Strategien entwickeln, um zB selbst gestaltete Ruhephasen wirklich genießen zu können, anstatt zwanghaft eine Pause zu machen (weil es sein muss), sich dabei aber in Wahrheit total getrieben zu fühlen.
Das Erreichen der körperlichen Wohlspannung und Entspannung ist dabei ein weiteres großes und hilfreiches Thema… Denn der Körper, die körperliche Intelligenz verrät uns das meiste über uns. Mit dem Körper sind unsere Gefühle und Emotionen verknüpft. Über den Körper können wir zudem äußerst effektiv den eigenen Stress regulieren.
Lesen Sie hierzu auch gern diesen systemiker Blog Artikel.
Unser Grundverständnis von Changemanagement und Stressmanagement Coaching arbeitet immer ganzheitlich, konkret, individuell und eigenverantwortlich.
Dieser Satz fasst es ggf ganz gut zusammen:
„Wirksames Stressmanagement bedeutet, nach anderen Möglichkeiten im eigenen Erleben zu suchen (echtes, ehrliches Selbstbewusstsein), anstatt gerettet werden zu wollen.“
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